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Was Reiterinnen und Reiter lesen sollten
Für Reitersleute sei Lesen nützlich für das tägliche Wirken im Sattel und zugleich ein Stück Lebensqualität, meint ein passionierter, alter Pferdemann. Und gibt hier Empfehlungen für den schrittweisen Aufbau einer kleinen, hochkarätigen Hippo-Bibliothek.
Empfehlungen für wen genau?
Konzentrieren wir uns hier einmal auf jene Reiterinnen und Reiter, die ihre (Grund-)Ausbildung nach den FN-Richtlinien erfolgreich absolviert haben, und
- ihre Pferde jetzt auf sich selbst gestellt fördern
- oder jüngere Reiterinnen und Reiter ausbilden.
Was sollten sie wirklich lesen? Als Trakehner-Fans natürlich die Trakehner Hefte – das ist klar.
Sollten sie auch Bücher lesen? Gibt es nicht diesen berühmten Spruch, Reiten lerne man nur durch Reiten? –
Wir „Alten“ glauben bekanntlich an „nur eine Reitkunst“ mit der Natur abgelauschten Grundsätzen. Dort gibt es die Teilgebiete (und Ausbildungsstufen) ...
- Gebrauchs- oder Niedere Kampagneschule,
- Höhere Kampagneschule (mit Kontergalopp, Pirouetten und fliegenden Galoppwechseln)
- und Hohe Schule (mit den Schulen auf und über der Erde).
So schauen wir – obwohl als Glieder der Trakehner-Gemeinde mehrheitlich dem Gelände, der Vielseitigkeit oder dem Jagdreiten verschrieben – seit jeher respektvoll zur Pflegestätte der Hohen Schule, zu der „Spanischen“ hinüber.
Auch vor über hundert Jahren tat man das sicher schon.
Reiten, Lesen, Denken!
Damals haben ein österreichischer Feldmarschall und ein dortiger Oberbereiter Direktiven1 für die Ausbildung von Reiter und Pferd an der Spanischen Hofreitschule in Wien verfaßt.
Darin heißt es im Kapitel über das anzuwendende „methodische Reitsystem“ u.a.:
„... der Bereiter muß nicht allein reiten, sondern auch denken, denn nur ein denkender Reiter wird mit möglichster Schonung des Pferdes in verhältnismäßig kurzer Zeit das Ziel, welches er sich gesteckt hat, erreichen.“
Zum Denken gehört das Lesen. Folglich werden als Leitfäden auch einschlägige Werke vorgegeben, von denen man nur deren Autoren – vier bedeutende Meister des 18. und 19. Jahrhunderts – und das Erscheinungsjahr ihrer für wichtig gehaltenen Werke nennt. Als weiterer Leitfaden habe das k. u. k. Exercier-Reglement für die Cavallerie 2 zu dienen.
Aber auch „über andere ältere oder neu erschienene Werke“ zur Reitkunst hätten die Bereiter informiert zu sein.
Das Kapitel schließt mit dem Hinweis, mündliche Erörterungen „vorkommender gegenteiliger Ansichten“ [gemeint ist: gegenteilig zu dem an der „Spanischen“ traditionell Gepflegten] durch den Leiter des Instituts trügen „wesentlich zur Klärung der Begriffe und zur Durchführung eines einheitlichen methodischen Reitsystems“ bei.
Über diese Passage in den Direktiven kann man lange nachdenken. Wenn man sie mit heutigen Gegebenheiten und Verhältnissen vergleicht, kommt man ins Grübeln.
Einst und Jetzt
Ich durfte kürzlich ein Seminar zu den Themen „Balancesitz und Kunst des Treibens“ und „Das 1x1 des Geraderichtens“ bestreiten. Nach der Begrüßung bat ich die Teilnehmerinnen (ihrer Selbsteinschätzung zufolge „zwischen A und L“) mir zu sagen, welche Reitlehren sie zu Rate zögen. Überraschendes Ergebnis: Schweigen – das heißt: Keine!
Dabei umfaßt der Gesamtkatalog einer auf hippologische Literatur spezialisierten Versandbuchhandlung unserer Tage fast eintausend Titel (!), zu denen im Autorenverzeichnis rund 850 Namen aufgelistet sind. Über 100 Werke dieses Angebots befassen sich nach Katalog-Angabe mit der Ausbildung des Reiters, 41 Titel mit dem dressurmäßigen Reiten, 16 mit dem Reiten über Hindernisse.
Kann da noch irgendwer mit Buch-Erwerb und Lesen Schritt halten? Das schaffe ich nicht mal – im Ruhestand.
Und von welchem Meister der Reitkunst sollte eine denkende, lesende Reiterin, sollte ein denkender, lesender Reiter sich das in Neuerscheinungen Verbreitete kritisch-analytisch „erörtern“ lassen?
Über die Unterschiede von Einst und Jetzt und ihre Gründe mögen die verehrte Leserin und der geschätzte Leser bitte selbst nachdenken. Ich trau’ mich an das Thema verschiedener Gründe wegen nicht heran.
Buchbesprechungen
Jedenfalls waren Buchbesprechungen für den Abonnenten einer Reitsport-Zeitschrift noch niemals so wichtig wie heute. Ich meine damit nicht die Veröffentlichung von Presse-Informationen oder Klappentexten der Verlage, die ihre Werke ohnehin nur loben können. Sondern Beurteilungen fachlich kompetenter Reiter, die die Bücher tatsächlich selbst gründlich studiert haben, ihr Urteil sorgfältig begründen und ihren vollen Namen unter die Buchbesprechung setzen.
Solche Buchbesprechungen – und nur solche – lenken das Interesse des Abonnenten dieser Reitsport-Zeitschrift auf für ihn nützliche, wichtige Werke und schützen ihn vor Geldausgaben für gedruckten Unsinn oder Halbwahrheiten. Und damit allein haben sich die Kosten für das Zeitschriften-Abonnement gelohnt!
Von den Spitzensportlern, die mit eigenen Pferdepflegerinnen oder -pflegern von Turnier zu Turnier reisen, und einigen Millionären abgesehen, sind wir heute alle Reiter und Pferdepfleger in einer Person. Und da man die längste Zeit des Lebens ja auch die Brötchen noch verdienen muß, ist Zeit für Reitersleute in der Regel sehr viel kostbarer als für Angler, Segler, Tennisspieler oder Skiläufer.
Modern in der Form ...
Wenn man für die tägliche Arbeit im Sattel rasche Hilfe sucht, wird man leicht lesbare Sachbücher mit den Zeitläufen angepaßten Ausdrucksformen bevorzugen, die freilich – um mit Kurt Albrecht1 zu sprechen – den „Inhalt der Lehren, mit deren Hilfe die notwendige Mitarbeitsbereitschaft des Partners Pferd erreicht werden kann“ nicht verfälschen dürfen.
Zu den angepaßten Ausdrucksformen zählen
- straffe, klare Texte in zeitgemäßer Sprache,
- das Wesentliche herausarbeitende Prinzipdarstellungen und Fotofolgen
- und ein ohne lange Suche rasche Orientierung ermöglichendes Namen- und Sachverzeichnis.
Mir ging das zumindest so.
Das erste Werk dieser „angepaßten“ neuen Generation von Sachbüchern (nach den Heeres-Reitvorschriften) war 1933 Wilhelm Müselers Reitlehre. Die hat verdientermaßen inzwischen die für Hippo-Sachbücher gigantische Auflagenhöhe von über 200.000 Exemplaren erreicht und zählt auch heute noch zu unseren Klassikern. Nur mit dem Nicht-Verfälschen hatte es nicht ganz geklappt: Mit ihrer zeichnerischen Fehlinterpretation des überkommenen Begriffs vom „Kreuzanspannen“ hat sie der deutschen Reiterei ungeheuren Schaden zugefügt. Verschiedene Autoren sind gegen das Müselersche Kreuzanspannen Sturm gelaufen (und teilweise selbst dabei in die Irre), ich habe mich ebenfalls ausführlich auch mit diesem Thema auseinandergesetzt.
... und der ererbten Lehre treu
Meine hippologische Bibliothek umfaßt heute – nachdem ich „verdientermaßen“ aus dem Arbeitsleben ausgeschieden bin – einige hundert Bände. Außerdem habe ich einige tausend Aufsätze aus Reitsport-Zeitschriften abgeheftet, besitze ich hunderte von Video-Reportagen und -Dokumentationen. Da dies alles mit Hilfe des PCs fein säuberlich archiviert ist, finde ich mich da sogar gut zurecht. Aber wenn mich jüngere, FN-Literatur-belesene Reiterkameraden um Rat fragen, welche Sachbücher sie sich unbedingt noch zu Gemüte ziehen sollten, ertappe ich mich stets dabei, daß ich dieses starke Dutzend nenne:
Die (Heeres-)Reitvorschrift2 von 1912 und die von 1937, als denkbar komprimierteste, zuverlässigste Reitlehren überhaupt.
Den „Müseler“ – siehe oben! – weil ich gewissermaßen mit ihm aufgewachsen bin.
Waldemar Seunig: Von der Koppel bis zur Kapriole – Die Ausbildung des Reitpferde3; Fretz & Wasmuth Verlag, Zürich 1949
Alois Podhajsky: Die klassische Reitkunst – Eine Reitlehre von den Anfängen bis zur Vollendung; Nymphenburger Verlagshandlung, München 1965
Wilhelm Blendinger: Psychologie und Verhaltensweise des Pferdes mit Vergleichen aus der Psychologie des Menschen und der Tiere; Erich Hoffmann Verlag, Heidenheim 1971
Hans von Heydebreck: Die deutsche Dressurprüfung – Eine Anleitung für Reiter, Richter und Zuschauer3; Reprint der ersten Auflage von 1928, Verlag Dr. Rudolf Georgi, Aachen 1972
Reiner Klimke: Cavaletti – Ausbildung von Reiter und Pferd über Bodenricks; Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1974
Rolf Bechers im Verlag Paul Parey, Hamburg erschienene Büchlein zum Reiten über Hindernisse, vor allem Meines Pferdes erste Schritte und Springfreude mit Pferden (1973 und 1980, inzwischen wohl abgelöst durch Rolf Bechers Springschule – Das Chiron-System; Franckh-Kosmos Verlags-GmbH, Stuttgart 1995)
Udo Bürger: Vollendete Reitkunst – erstrebt - erforscht - erfühlt2; Verlag Paul Parey, Hamburg 1982
und – von mir in der Auseinandersetzung mit Müselers „Kreuzanspannen“ erstanden – Sally Swift: Reiten aus der Körpermitte– Pferd und Reiter im Gleichgewicht; Albert Müller Verlag, Rüschlikon 1989
Eigenartiges Ordnungsprinzip? Ja. Einfach chronologisch, wie ich selbst drangekommen bin.
Einige dieser Bücher sind inzwischen in anderen Verlagen und in neuerer Auflage erhältlich.
(Irgendjemand hat kürzlich geschrieben, mein Schmeichelnder Sitz, atmender Schenkel, flüsternder Zügel, Olms Presse, Hildesheim 1999, sei keine neue Reitlehre, aber ein Schlüssel zu den allgemein bislang benutzten. Wenn die Schlüssel-These zutrifft, so zweifellos in erster Linie in Bezug auf die gerade aufgeführten Werke, die ich quasi im Sattel sitzend selbst benutzt habe. Und zwar in zweierlei Hinsicht: Zu einigen Themen konnte ich das Wissen der genannten Autoren und meine eigenen Erkenntnisse in meinem Sachbuch bündeln und den Stoff m.E. übersichtlicher und klarer darstellen – Beispiel: Kapitel „Das 1x1 des Geraderichtens“. Zum anderen habe ich vor gefährlichen Irrtümern gewarnt – so etwa vor dem des Müseler’schen Kreuzanspannens oder dem einer neueren Theorie vom Zustandekommen und Anwenden des selbsttätigen Schenkels – Beispiel: Kapitel „Balancesitz und Kunst des Treibens“.)
Aber lesen Sie noch mehr!
Fragte mich jemand gezielt zu diesem oder jenem reiterlichen Problem, fielen mir heute natürlich auch weitere Bücher ein. Der Einbahn-Verkehr eines Exposés läßt solch Frage- und Antwort-Spiel leider nicht zu.
Doch drei wirklich wichtige Veröffentlichungen der letzten zehn Jahre möchte ich noch nennen:
Roland Brückner: Dein Pferd, sein Auge, seine Sehweise; im Selbstverlag, Basel 1996 (ohne Anschrift; erhältlich bei Freizeitreitershop Lesley Andrews, Reckeroder Hof, 36275 Kirchheim),
Ulrich Schnitzer: Grundsätze der Gymnastizierung des Reitpferdes; PferdeSpiegel, Winterthur 1998,
und (vom gleichen Autor): Einige Auswirkungen des Sozialverhaltens der Pferde beim Reiten; PferdeSpiegel, Winterthur 1999.
(Die beiden letzgenannten Aufsätze sind zu beziehen bei Herrn Thomas Frei, Alte Landschreiberei, CH 8314 Kyburg, Tel. 0041-522324523.)
Wer nun noch Geld und Zeit locker machen kann, lese alles, was er von den schon genannten Autoren sonst noch findet. Da wird er nie enttäuscht.
Biographien und Lebenserinnerungen
Biographien und Lebenserinnerungen von Reitersleuten zu lesen, ist ein besonderer Genuß. Und eine unterhaltsame, höchst angenehme Art, das eigene hippologische Wissen zu bereichern:
Felix Bürkner: Ein Reiterleben; Reprint der Ausgabe von 1957, Olms Presse, Hildesheim 1979
Reiner Klimke: Ahlerich. Von der Remonte zum Dressur-Weltmeister. Ein exemplarischer Ausbildungsweg; Olms Presse Hildesheim, 1995 – die Geschichte der Ausbildung eines Pferdes, in der sich jedoch ein Stück Leben dieses feinen, großen Reiters spiegelt –
Graf Siegfried Lehndorff: Ein Leben mit Pferden; Reprint der Ausgabe von 1956, Olms Presse, Hildesheim 1982
Hans Graf von Lehndorff: Menschen, Pferde, weites Land – Kindheits- und Jugenderinnerungen; Biederstein Verlag, München 1980
Lord Mottistone (General Jack Seely): Mein Pferd Warrior2; Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart
Hermann Frhr. von Nagel: Große deutsche Turnierreiter der Vergangenheit2; FN-Verlag, Warendorf 1982
Josef Neckermann: Im starken Trab – Erlebnisse und Erfahrungen im Sattel, FN-Verlag, Warendorf 1992
Alois Podhajsky: Meine Lehrmeister die Pferde2; Nymphenburger Verlagshandlung, München 1967
Waldemar Seunig: Im Sattel zählt’ ich keine Zeit2, Verlag St. Georg, Düsseldorf 1958
Jedes dieser Bücher ist lesenswert! Wie diese Menschen ihre Pferde sahen, wie sie mit ihnen lebten, wie ihre Welt beschaffen war – gehört das nicht zur reiterlichen Allgemeinbildung?
Hippo-Klassiker
Irgendwann kommt jeder denkende Reiter bei den Reitlehren dann auch zu
Gustav Steinbrecht: Gymnasium des Pferdes; Reprint der Ausgabe von 1886,
und zu den Klassikern der eingangs erwähnten Direktiven:
François Robichon de la Guérinière: Reitkunst (Ecole de Cavalerie); Reprint der Übersetzung von J.-D. Knoell, Ausgabe 1817,
Louis Seeger: System der Reitkunst; Reprint der Ausgabe von 1844,
Frhr. von Oeynhausen: Abrichtung von Reiter und Pferd, Reprint der Ausgabe von 1852 und
Max Ritter von Weyrother: Hinterlassene Schriften, Reprint der Ausgabe von 1836,
sämtlichst in hervorragender Qualität und zu erschwinglichen Preisen (die beiden letztgenannten in einem Band) im Georg Olms Verlag, Hildesheim erhältlich, was als ganz unerhörter Glücksfall für die Reiterwelt betrachtet werden darf.
Daß Steinbrecht in den Direktiven nicht genannt worden ist, kann kaum an der „längeren Leitung“ jener Tage gelegen haben. Die Direktiven wurden 1898 verfaßt, Steinbrechts Gymnasium erschien immerhin schon 1884 in erster Auflage. Vielleicht bewältigte man schon damals die „Pflichtlektüren“ nicht ganz ohne Mühe. Selbst in Wien.
Und über fremde Reitweisen?
Wer die Grundsätze der überkommenen Reitlehre verinnerlicht hat und sie im Sattel pflegt, wird kaum zu alternativen Reitweisen tendieren. Die nutzungsbedingten Unterschiede zu erkennen und zu begreifen, ist aber zweifellos eine Bereicherung der eigenen Sicht. Und fürs Reiten-Lehren sind Grundkenntnisse der alternativen Anschauungen einfach Voraussetzung. Der Ausbilder wird vom Reitschüler heute auf andere Reitweisen angesprochen und sollte verläßliche Antworten geben können.
Das Angebot an Reitlehren fremder Reitweisen ist jedoch so umfangreich, daß sich wohl niemand damit neben dem Studium der Literatur zur angestammten Lehre sorgfältig auseinandersetzen kann.
Ich selbst besitze zwar das eine oder andere Werk „Alternativer“, bin aber des gerade Gesagten wegen nicht kompetent, Empfehlungen zu geben.
Wünschenswert wären Abrisse jeder wichtigen Alternative im Vergleich zur angestammten Lehre, zusammengefaßt in einem verläßlichen(!) Kompendium „Reitweisen der Welt“.
Einige Beiträge hierfür fände ein interessierter Verlag beispielsweise bei Gerhard Kapitzke und bei Heinz Meyer.
Übrigens:
Sechs von sechsundzwanzig der hier von mir empfohlenen Bücher, jeweils mit entsprechender Fußnote versehen, sind m.W. gegenwärtig nur antiquarisch erhältlich. Aber wenn man ein bißchen sucht, bekommt man sie in Versand-Antiquariaten schon. Die eingangs angesprochenen, denkenden Reiterinnen und Reiter werden diese Mühe gerne auf sich nehmen. –
Eine Flut Jahr für Jahr auf den Markt gelangender neuer, sagen wir „Bedienungsanleitungen für das Reiten“ wendet sich an einen völlig anderen Personenkreis:
An Menschen, die sich mit großer Liebe dem edelsten Begleiter der Menschheit durch die Jahrtausende, dem Pferde, zuwenden, aber an unserem so „hervorragenden“ Ausbildungssystem scheitern. Und das ist ein erstaunlich großer Personenkreis.
Das Problem dieser meist schon erwachsenen Reitmutwilligen ist, daß sie keinen Ausbilder finden, der
- einen auf Anfänger-Unterricht eingerichteten, ruhigen Betrieb mit freundlicher Atmosphäre bietet,
- ruhige, zuverlässige und rittige Lehrpferde für den Unterricht bereitstellt,
- die Grundlagen – anfangs an der Longe – verständlich und geduldig vermittelt,
- und dies alles auch noch preisgünstig zuwege bringt.
Den beschriebenen Mangel ausgleichen oder doch wenigstens seine Folgen lindern zu wollen, indem man dem Reitschüler besagte „Bedienungsanleitungen“ zum Do-it-yourself anhand gibt, scheint mir ein nahezu hoffnungsloses Unterfangen. Zumal, was es da auf dem Büchermarkt gibt, die Aufmerksamkeit des Lernwilligen m.E. so sehr auf den eigenen Körper und auf die eigenen Probleme und Verspannungen lenkt, daß die sich möglicherweise eher noch verstärken.
Dem Ausbilder geeignete Literatur für einen besseren Reitunterricht zu empfehlen, scheint mir dagegen durchaus sinnvoll. Wobei die Forschung, für die ich seit Jahren plädiere, der Lehre wohl vorausgehen müßte.
Aber spätestens in einem Jahr komme ich auf dieses Thema an gleicher Stelle gern zurück.
Eberhard Hübener
1 Unbekanntes aus der Spanischen Hofreitschule – von Regenthal: Die Urdirectiven (um 1720), transcribiert von Dr. Bertold Schirg; Holbein von Holbeinsberg und Johann Meixner: Die Directiven (1898), mit einer Einführung von Kurt Albrecht; Reprint Georg Olms Verlag AG, Hildesheim 1996 S. 7-9.
2 z.Z. wohl nur noch antiquarisch erhältlich
3 jetzt bei Olms Presse, Hildesheim
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Erschienen in Trakehner Hefte 8/2001
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