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Wer/was hat mich zum Nachdenken gebracht?
Als ich nach nach Kriegsende, Flucht und langer reiterlicher Abstinenz endlich wieder in den Sattel stieg und zur Überwindung auftauchender Probleme weitgehend auf Reitlehrbücher angewiesen war, studierte ich die fleißig.
Der Skizzen- und Fotofolgen wegen besonders gern auch wieder Wilhelm Müselers „Reitlehre“, von Kindheit an und bis zu jener Zeit für mich die Nummer Eins. Leider saß ich jetzt dort der bildlichen Fehlinterpretation des „Kreuzanspannens“ auf.
Weil jeder reiterliche Fortschritt hieran scheiterte, begann ich nachzudenken.
In der Schule, während des Studiums und im Beruf habe ich erfahren, daß große Könner jedweder Disziplin ihr Wissen oft schlecht weitergeben können. Sie setzen zu viel als bekannt voraus, begreifen die Schwierigkeiten zu Begreifen anderer nicht. Ein Musterbeispiel hierzu, das uns irgendwann fast alle einmal quält, sind Bedienungsanleitungen für technische Geräte, weil in aller Regel unsinnigerweise von Fachleuten, statt von selbst erst ums Verstehen-Lernen bemühten Textern zu Papier gebracht.
Was ich mir dann bei Meistern der Reitkunst so zusammensuchte, kritisch sichtete, im Sattel erprobte und umsetzte, anders ordnete, für mich selbst neu formulierte und zu illustrieren begann, hielt ich am Ende für zu nützlich nur zum Vergammeln im eigenen Archiv. Zumal sich auch um mich herum viele Reiterinnen, viele Reiter ehrlich quälten. Das meiste von dem, was ich – die Reitlehre kommentierend – zu den Grundlagen reiterlichen Wirkens sage, ist also nicht neu. Ich habe es lediglich von mancherlei Widersprüchen befreit und verständlicher gemacht. -
Besonders beschäftigt haben mich die Bewegungen des Pferderückens und des Pferderumpfes in Phasen der Grundgangarten und der Zusammenhang zwischen diesen Bewegungen auf der einen und dem „Am-Sattel-Kleben“ des Reiters und der „Kunst des Treibens“ auf der anderen Seite. Eine von mir dargestellte Hypothese hierzu stand in krassem Gegensatz zu Aussagen in weiterhin vielgelesenen Lehrbüchern. Deshalb habe ich in verschiedenen Veröffentlichungen jahrelang – leider vergeblich – für ein universitäres, interdisziplinäres Forschungsprojekt geworben, auf daß wir der Wahrheit näher kämen.
Im Mai 2000 bestätigte dann eine von Studio Hamburg ermöglichte Video-Analyse meine Aussagen weitgehend. Und Anfang April 2001 gelang es mir, von einem handelsüblichen Videorecorder neuerer Bauart unterstützt, die Bewegungen von Pferderumpf und rücken aus den Fußfolgen der Grundgangarten abzuleiten. Bislang nämlich hatte man Sitzschulung gewissermaßen „ohne den Wirt“ betrieben. Jetzt endlich erhält sie ein solides Fundament.
Und da ist nun einiges vielleicht doch neu! Wurde so zumindest wohl noch nie gesagt – bei uns zu Lande.
Denk ich mal.
Das Ergebnis dieser Denkprozesse ist in meinem Sachbuch nachzulesen. Aufsätze, die dort nicht verwendet wurden, findet der Leser hier - einige vollständig, einige nur aufgelistet.
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